Privatgutachten

Jede Seite hat jederzeit das Recht, ihre eigene Haltung durch Hinzuziehung eines Sachverständigen zu untermauern.

Das macht natürlich nur dann Sinn, wenn dieser oder diese Sachverständige auch tatsächlich für das konkrete Problem als Experte ausgewiesen ist. Auch wird die Gegenseite die Argumente des Privatgutachters eher zur Kenntnis nehmen, wenn sie auch von der Persönlichkeit her über jeden Verdacht erhaben ist, gegen Honorierung “Gefälligkeitsgutachten” abzugeben. Es kann deshalb nützlich sein, sich vor Beauftragung eines Sachverständigen bei der Gegenseite darüber zu erkundigen, ob grundsätzliche Bedenken gegen den Vorschlag bestehen. Allerdings ist die Gegenseite nicht zur Mitwirkung bei der Auswahl und Beauftragung des Privatgutachters verpflichtet.

Die prozessuale Bedeutung des Privatgutachtens ist beschränkt. Da der/die Sachverständige von einer Seite beauftragt wird, sind die Ausführungen nur wie die Ausführungen der eigenen Partei zu betrachten.
Meine Experten-Meinung ersetzt insbesondere noch nicht ein evtl. gerichtlich angeordnetes Sachverständigengutachten. Für ein solches wird sich das Gericht entscheiden, wenn aufgrund der bisherigen Ausführungen der Parteien (und ihrer Gutachter) noch keine Entscheidung getroffen werden kann. Andererseits ist nicht zu unterschätzen, dass eine sachkundige Stellungnahme einer anerkannten Autorität bei Gericht Gewicht hat. Auch ein vom Gericht bestellter Sachverständiger wird sich das Privatgutachten ansehen und in die eigenen Überlegungen einfließen lassen.